Flensburger Tageblatt

Mitarbeiter der ersten Stunde: Holger Kutz arbeitet seit zweieinhalb Jahren bei der "nova" in Niebüll in der Bunte-Steine-Abteilung. Foto: Staudt

Unter den Online-Lego-Shops zählen die Niebüller Anbieter von den Mürwiker Werkstätten zu den Größten

 Flensburg / Niebüll. Wer den Kölner Dom mit Lego-Steinen nachbauen will, braucht jede Menge Baumaterial, und zwar in einer bestimmten "Grau-Schattierung", weiß Kathrin Elshoff. Deshalb kaufen die Kunden für ihre Großprojekte aus Lego am liebsten sämtliche Steine bei einem Händler, beobachtet die Abteilungsleiterin der Werkstatt "nova" bei den Mürwiker Werkstätten. Ausgerechnet im kleinen, nordfriesischen Niebüll geraten die Bastler an den - nach eigenen Angaben - bundesweit drittbesten "Store" und an Nummer fünf in der Welt (von weltweit 4922 Shops), wenn man die Vielfalt der Steine betrachtet. Kunden können aus über einer Million Steine wählen - die Zahl variiert, je nachdem, wie das Spiel Verkauf zu Ankauf gerade steht. 

Rund 13 000 verschiedene Steine gebe es, schätzt Frank Kuhnig. Er betreut die Bereiche Inklusion und Kommunikation bei den Mürwiker Werkstätten. "Das Lego-Shop-'Hauptquartier’, die Logistik, das Lager und auch ein Lego-Shop (Ladengeschäft) sind in unserer Werkstatt 'nova’ in Niebüll angesiedelt", sortiert Kuhnig. "Flensburg arbeitet zu." 

"Nova", die berufliche Bildung und Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung wie Depression oder Psychose in Südtondern anbietet, eröffnete 2005. Im Jahr 2010 haben die Mürwiker den Internet-Shop für die bunten Steine übernommen. Seither sind nach Auskunft des Gruppenleiters Leif Christensen 3470 Bestellungen eingegangen. Die meisten Bestellungen kommen aus Deutschland, gefolgt von den USA und den Niederlanden, aber auch Menschen aus Hongkong, Südkorea und einer aus Macau sind unter der Adresse www.bunte-steine-aus-daenemark.de fündig geworden. Inzwischen gebe es "fast kein Fleckchen mehr, wo wir noch nicht hingeliefert haben", sagt Kathrin Elshoff. Zugang zum Shop ermöglicht auch das Portal "www.bricklink.com". Elshoff empfindet den Online-Shop als "Bereicherung". Die Muttermarke Lego dulde den Auftritt der Mürwiker, sponsere ihn allerdings nicht - dafür steht der Name "bunte Steine aus Dänemark". Diese kaufen die Mürwiker an, erklärt Kathrin Elshoff, reinigen die Steine, sortieren sie, stellen sie ins System ein und vertreiben sie im Netz. Die grobe Sortierung erfolge bereits in Flensburg. "Die Arbeit ist vielfältig", sagt Elshoff, und "komplett auf Englisch". 

Die diplomierte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin ist seit zehn Jahren bei den Mürwikern. Die kaufen Steine auch auf Flohmärkten an, aber nur Objekte von hochwertiger Qualität. Wenn die Steine nicht makellos sind, dann "bringen wir sie nicht weiter in den Umlauf", betont Kathrin Elshoff. Sie beobachtet ein inzwischen eingespieltes Team.

Über ein Praktikum ist Holger Kutz zur "nova" gekommen und in der Lego-Abteilung aus einem Dutzend Kollegen ein Mitarbeiter der ersten Stunde. Der 44-Jährige aus Bredstedt ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und hat zuletzt in der Kfz-Branche gearbeitet. Dann sei er erkrankt, sagt er, und konnte nicht mehr arbeiten. Sein Aufgabenspektrum heute bezeichnet er als "sehr abwechslungsreich". Er zählt auf: Ware ins Computersystem einstellen, Zusammensuchen von Bestellungen, versandfertig machen. Holger Kutz gefällt auch das soziale Umfeld, der Austausch mit den Kollegen. "Ich bin selbstsicherer geworden und fühle mich hier gut aufgehoben", lobt er. Auch die Englischkenntnisse könne man sich aneignen, sagt er, insbesondere wie die Farben und Formen der Steine beschrieben werden. Zu Hause indes baue er nicht mit bunten Steinen aus Dänemark, verrät Kutz. 

www.bunte-steine-aus-daenemark.de



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